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"Rede anlässlich der Verabschiedung der Stadträte

Dr. Stephan Cramer (CDU) und Jürgen Kriesten (FDP)

aus dem Stadtrat von Radebeul am 21.12.2005"

 

 

Gerne schließe ich mich namens des Ältestenrates und meiner Fraktion den dankenden Worten des Oberbürgermeisters Bert Wendsche für die heute ausscheidenden Stadtratskollegen Dr. Stephan Cramer und Jürgen Kriesten an. Das Ausscheiden der beiden Kollegen ist zweifellos ein Verlust. Beide Kollegen haben sich engagiert in die Stadtratsarbeit eingebracht, Herr Kollege Dr. Stephan Cramer seit nunmehr sechs Jahren.

 

Nach Herrn Rechtsanwalt Dr. Endrik Wilhelm (SPD) scheiden wiederum zwei Stadträte vorzeitig und wegen großer Arbeitsbelastung aus dem Stadtrat aus, die freiberuflich als Rechtsanwalt und Unternehmer tätig sind. Und dies sollte uns grundsätzlich zu denken geben.

 

Es wäre schade, wenn Selbständige grundsätzlich nicht mehr die Zeit fänden, sich für ihre Stadt zu engagieren. Die Tätigkeit im Stadtrat, wenn man sie ernst nimmt oder so ernst nimmt wie die genannten Kollegen, bringt viel Arbeit mit sich. Sie umfasst mit der Ausschuss- und der Fraktionsarbeit weit mehr als die Präsenz in den Stadtratssitzungen. Sie erstreckt sich nicht zuletzt auch darauf, den Dialog mit dem Bürger zu führen und bei allen Themen der Stadtpolitik „am Ball“ zu bleiben.

 

Sind wir uns eigentlich immer bewusst, dass „Zeit“, und das heißt gerade auch: die Zeit der anderen, der Kollegen, ein kostbares Gut ist, das sich verzehrt und mit dem wir daher verantwortungsbewusst umgehen müssen?

Der wegen seiner Geradlinigkeit und klaren Sprache legendäre „Ruhrbischof“, Franz Kardinal Hengsbach, hat dazu einmal eine „Gewissenserforschung“ für Politiker verfasst, die ich Ihnen aus gegebenem Anlass – und durchaus auch selbstkritisch – zum Vortrag bringen möchte:

 

„Habe ich ohne wichtigen Grund
eine Sitzung besucht?

Habe ich ohne wichtigen Grund
zu einer Sitzung eingeladen?

Habe ich ohne wichtigen Grund
durch eine Wortmeldung
eine Sitzung verlängert
und somit mich und
andere von der Familie ferngehalten?

Lieber Gott, hilf mir,
mein großes Maul zu halten,
bis ich weiß, worüber ich rede“.

 

Diese Mahnung gilt nicht nur im Hinblick auf Selbständige, aber für diese wohl in besonderer Weise. Wir, auch wir Fraktionsvorsitzende, sollten sie stets und ständig beherzigen!

 

Die ausscheidenden Kollegen Dr. Cramer und Kriesten bleiben ehrenamtlich tätig - für den Sport, für die Johanniter, die Bürgerstiftung oder die Rotarier. Sie bleiben der Stadt Radebeul und dem Stadtrat gewogen, davon bin ich über­zeugt. Wir hätten sie auch gerne weiterhin in unserer Mitte gehabt, ohne Frage! Aber wir respektieren ihre Entscheidung: Sie wollen eine wichtige Sache nicht halb oder „mit links“ machen. Trotzdem oder gerade deshalb bedauern ihr Ausscheiden aus dem Stadtrat. Und wir wünschen uns natürlich, dass sie den Stadtrat, die Kollegialität hier ein wenig vermissen – so wie wir ihren Rat vermissen werden.

 

Ich denke, es ist angebracht, heute auch den Familien der beiden ausscheidenden Kollegen zu danken für manchen Verzicht, den sie während der Zugehörigkeit zum Stadtrat geleistet haben.

 

Lieber Herr Kollege Dr. Cramer, lieber Herr Kollege Kriesten,

wir verabschieden Sie heute nicht leichten Herzens, aber doch in der Gewissheit, auf Sie immer zählen zu können, wenn unsere Stadt Sie braucht. Haben Sie Dank, nochmals, für Ihre Arbeit hier im Stadtrat.

 

Radebeul, 21.12.2005

 

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