Gerne
schließe ich mich namens des Ältestenrates und meiner
Fraktion den dankenden Worten des Oberbürgermeisters Bert
Wendsche für die heute ausscheidenden Stadtratskollegen Dr.
Stephan Cramer und Jürgen Kriesten an. Das Ausscheiden der
beiden Kollegen ist zweifellos ein Verlust. Beide Kollegen
haben sich engagiert in die Stadtratsarbeit eingebracht,
Herr Kollege Dr. Stephan Cramer seit nunmehr sechs Jahren.
Nach Herrn Rechtsanwalt Dr. Endrik Wilhelm (SPD) scheiden
wiederum zwei Stadträte vorzeitig und wegen großer Arbeitsbelastung aus dem
Stadtrat aus, die freiberuflich als Rechtsanwalt und Unternehmer tätig sind.
Und dies sollte uns grundsätzlich zu denken geben.
Es wäre schade, wenn Selbständige grundsätzlich nicht mehr
die Zeit fänden, sich für ihre Stadt zu engagieren. Die Tätigkeit im
Stadtrat, wenn man sie ernst nimmt oder so ernst nimmt wie die genannten
Kollegen, bringt viel Arbeit mit sich. Sie umfasst mit der Ausschuss- und
der Fraktionsarbeit weit mehr als die Präsenz in den Stadtratssitzungen. Sie
erstreckt sich nicht zuletzt auch darauf, den Dialog mit dem Bürger zu
führen und bei allen Themen der Stadtpolitik „am Ball“ zu bleiben.
Sind wir uns eigentlich immer bewusst, dass „Zeit“, und das heißt gerade
auch: die Zeit der anderen, der Kollegen, ein kostbares Gut ist, das sich
verzehrt und mit dem wir daher verantwortungsbewusst umgehen müssen?
Der wegen
seiner Geradlinigkeit und klaren Sprache legendäre
„Ruhrbischof“, Franz Kardinal Hengsbach, hat dazu einmal
eine „Gewissenserforschung“ für Politiker verfasst, die ich
Ihnen aus gegebenem Anlass – und durchaus auch
selbstkritisch – zum Vortrag bringen möchte:
„Habe ich ohne wichtigen Grund
eine Sitzung besucht?
Habe ich ohne wichtigen Grund
zu einer Sitzung eingeladen?
Habe ich ohne wichtigen Grund
durch eine Wortmeldung
eine Sitzung verlängert
und somit mich und
andere von der Familie ferngehalten?
Lieber Gott, hilf mir,
mein großes Maul zu halten,
bis ich weiß, worüber ich rede“.
Diese Mahnung gilt nicht nur im Hinblick auf Selbständige,
aber für diese wohl in besonderer Weise. Wir, auch wir Fraktionsvorsitzende,
sollten sie stets und ständig beherzigen!
Die ausscheidenden Kollegen Dr. Cramer und Kriesten bleiben
ehrenamtlich tätig - für den Sport, für die Johanniter, die Bürgerstiftung
oder die Rotarier. Sie bleiben der Stadt Radebeul und dem Stadtrat gewogen,
davon bin ich überzeugt. Wir hätten sie auch gerne weiterhin in unserer
Mitte gehabt, ohne Frage! Aber wir respektieren ihre Entscheidung: Sie
wollen eine wichtige Sache nicht halb oder „mit links“ machen. Trotzdem oder
gerade deshalb bedauern ihr Ausscheiden aus dem Stadtrat. Und wir wünschen
uns natürlich, dass sie den Stadtrat, die Kollegialität hier ein wenig
vermissen – so wie wir ihren Rat vermissen werden.
Ich denke, es ist angebracht, heute auch den Familien der
beiden ausscheidenden Kollegen zu danken für manchen Verzicht, den sie
während der Zugehörigkeit zum Stadtrat geleistet haben.
Lieber Herr Kollege Dr. Cramer, lieber Herr Kollege Kriesten,
wir
verabschieden Sie heute nicht leichten Herzens, aber doch
in der Gewissheit, auf Sie immer zählen zu können, wenn
unsere Stadt Sie braucht. Haben Sie Dank, nochmals, für
Ihre Arbeit hier im Stadtrat.